Praxis-Test: Petzl Swift RL (E095BB)

Review der kompakten Trailrunning-Stirnlampe von Petzl

127 Leser 14 Minuten Lesezeit

Die Petzl Swift RL ist neben der Nao RL eine gerne gewählte Lösung für das Trailrunning. Technisch weit entwickelt mit Reactive Lighting Sensorik und einer leistungsfähigen Lichteinheit. Und doch so verschieden …

Wie eine Kompaktkamera für Zwerge wirkt die Swift RL. Ein Gehäuse für zwei sehr leistungsstarke LED-Einheiten und entsprechend große Reflektoren, dahinter eine Kühleinheit und der wechselbare Akku. Der kleine Taster für ON/OFF und Modiauswahl sitzt oben auf dem Gehäuse, die USB-C Ladebuchse darunter im Akku integriert. Das verstellbare Kopfband besteht am Hinterkopf  aus zwei Strängen, was zur Druckentlastung beiträgt. Aber zuerst die Hard Facts …

Ausstattung der Petzl Swift RL

  • Stirnlampe mit 2 differenten, neutralweißen LEDs. Außen mit stark diffuser Abdeckung für den Nahbereich, mittig der große Reflektor für mittlere und weite Distanzen. Der Typ der LEDs (Cree, SST … ) bleibt auch nach Rückfrage beim Hersteller Firmengeheimnis.
  • Mini Rotlicht-LED mit Blink- und Dauerlichtmodus
  • Jeweils drei Helligkeitsstufen innerhalb der beiden Modi „Standard Lighting“ und „Reactive Lighting“ -> Maximale Laufzeit / Standard (ausgewogen) / Maximale Leistung
  • integrierter Lichtsensor für „Reactive Lighting“
  • 1100 Lumen Peakleistung (nur im automatischen Reactive Lighting Mode)
  • mögliche Dauerleistung: 700 Lumen (auch im Standard Lighting Mode)
  • gerasterte Höhenverstellung
  • elektr. Verriegelungsmodus gegen unbeabsichtigtes Einschalten
  • wechselbarer Petzl Li-Ion Akku mit 2350 mAh (7.8 Wh, Akkutyp Blockakku – vermutlich 3 AAA-Zellen)
  • USB-C Ladeport am Akku (Kabel inklusive, kein Ladegerät)
  • Ladungsanzeige (Lädt: Rot / Voll: Grün) am Akku / Ladestandsanzeige mit 5 Segmenten am Leuchtkörper
  • Gewicht: 103g inkl. Akku / 53g ohne Akku / 50g Akku (nachgewogen)
  • IPX4 Dichtigkeit (Spritzwasserschutz)
  • Baukörper aus Kunststoff
  • 5 Jahre Garantie auf die Leuchte, 2 Jahre auf den Akku oder 300 Ladevorgänge
  • Lieferung in Kartonage
  • kurzes Ladekabel (USB-C / USB-A), Kopfbänder inklusive
  • Shell LT Transportbeutel in transluzenter Ausführung (als Lampion nutzbar)
  • Preis: 109,99 Euro UVP

Werksangaben Petzl

Leuchtleistungen nach dem ANSI-/PLATO-FL-1-Standard
BeleuchtungstechnologieLichtfarbeLeuchtstufenLichtmengeLeuchtweiteLeuchtdauerReservelicht
REACTIVE LIGHTING®WeißMAX BURN TIME18 bis 100 lm3510 bis 70 Std.10 lm während 2 Std.
STANDARD25 bis 275 lm757 bis 45 Std.
MAX POWER30 bis 1100 lm1552 bis 35 Std.
STANDARD LIGHTINGMAX BURN TIME10 lm12100 Std.
STANDARD160 lm507 Std.
MAX POWER700 lm1152 Std.
RotDauerlicht3 lm560 Std.
Blinklichtsichtbar in 150 m Entfernung während 300 Std.
 

Ein erster prüfender Blick …

Man darf für die knapp 100 Euro der Swift RL ein sehr gut verarbeitetes Gerät erwarten und genau das bekommt man auch. Das Kopfband ist sehr weich und ultrabequem mit einem am Hinterkopf gedoppelten Steg und einer cleveren Weitenverstellung. Eine sehr schöne und praktische Lösung.  Die Leuchte selbst lässt sich um 7 Rasterstufen um 90 Grad nach unten drehen, um 5 Stufen nach oben. Überdreht man nach unten in Richtung 100 Grad, rutscht die Leuchte aus der Rasterverstellunf und kann vollständig um 180 Grad gedreht werden. So lässt sich der Wechselakku entnehmen – womit wir bei einem Kritikpunkt sind: die beiden Clips zum Öffnen des Verschlusses sind anfänglich ohne Werkzeug kaum zu öffnen. Eigentlich reicht es einen Clip mit dem Fingernagel des Daumens nach außen zu drücken, doch das gelingt erst werkzeuglos, wenn man das Prozedere schon einige Male gemacht hat. Anfangs hat mich das etwas geärgert, aber um fair zu bleiben muss erwähnt werden, dass das „Problem“ schnell vom Tisch ist. Einmal herausgenommen, lässt sich der Akku sehr schnell wechseln und extern aufladen.  

Die Bedienung der beiden Modi Standard und Reactive Lighting ist simpel mit dem kleinen Drucktaster vorzunehmen, auch mit Handschuhen, da oben auf dem Leuchtkörper und erhaben in der Ausführung. Das Rotlicht ist intuitiv eher nicht zu finden, Anleitung lesen hilft. Die Funktion an sich ist sehr gut und das Licht der extrem kleinen LED ausreichend für den Nahbereich.

Die Leuchtmittel der Petzl Swift RL

Wie schon beim Test der Nao RL war bei Petzl nicht herauszufinden, um welche LED-Typen es sich handelt. Fakt ist, dass für den Nahbereich eine starke LED mit diffuser Abdeckung und Reflektor zum Einsatz kommt und für den Bereich der mittleren und hohen Distanzen strahlt eine eigene LED mit Facettenreflektor die Dunkelheit hinweg. Bei beiden LEDs handelt es sich um High Power LEDs, die im Reactive Lighting ein Lichtbild von bis zu 1100 Lumen erzeugen.

Oberhalb und zwischen den beiden Hauptreflektoren befindet sich eine Mini-LED mit diffuser Abdeckung für das Rotlicht. Dieses ist im Blinkmodus (Notfälle) oder als konstantes Licht schaltbar und eignet sich sehr gut zum Kartenlesen oder auch Navigieren im Nahbereich wie im Camp (Toilettengänge) oder als Suchhilfe im Zelt. Es gibt nicht viele Stirnlampen mit Rotlicht, insofern ist dieses oft unterschätzte Feature ein echter Pluspunkt.

Die Peakangabe von 1100 Lumen Lichtleistung ist nicht manuell im Standard Mode schaltbar, sondern wird abhängig von der Umgebungshelligkeit im Reactive Lighting Modus geschaltete – oder auch nicht. Darauf hat man wenig Einfluss, insofern sollte das Kaufkriterium nicht der Peakwert der Leuchte sein.

 

Der Reactive Lighting Modus

Reactive Lighting soll die Leuchtkraft an die aktuelle Helligkeit der Umgebung anpassen und so die generelle Laufleistung des Systems optimieren. Abhängig von einem der 3 Modi sind 2 Stunden (Max Power) bis 70 Stunden (Max Burntime, sehr wenig Lumen) möglich. In der Tat habe ich im Max Power Modus, den ich im Trailrunning als Standard ansehe mehrstündige Läufe umgesetzt, ohne den Akku komplett zu entleeren. Natürlich ist das vorhandene Umgebungslicht (Mond, Straßenbeleuchtung …) dabei ein entscheidender Faktor. 

Da niemand außer Petzl selbst die genauen Parameter für die hauseigenen Test und Angaben kennt, lässt sich auch nur schwer beantworten, ob die Zahlen realistisch sind. Ich tendiere nach vielen Stunden Tests aber dazu diese als praxisnah zu akzeptieren. Bei absoluter Dunkelheit im Max Mode sind in etwa die 2 Stunden Laufzeit aus der Werksangabe möglich, viel mehr nicht. Vollmond ohne Bewölkung kann die Zeit deutlich erhöhen – ob dabei am Ende 35 Stunden als Maximalwert (Werksangabe) möglich sind, wage ich schwer zu bezweifeln. Denn wenn der Mindestoutput 30 Lumen beträgt ist fraglich, ob dann überhaupt eine Leuchte notwendig ist.   

Ansonsten gilt für das Reactiv Lighting, was ich schon über die Nao RL geschrieben habe: etwas träge Reaktion bei schnellen Lichtwechseln oder Kopfschwenks, aber solide und sichere Funktion mit hohem Praxisnutzen, wenn man nicht ständig selbst schalten möchte.

Der Standard Lighting Modus

Im Standard Modus  liegt der höchste schaltbare Modus bei 700 Lumen, ein guter Wert, der in der Regel auch im Trailrunning mehr als ausreicht. Die 160 Lumen im Modus darunter erfüllen diesen Anspruch definitiv nicht mehr und eignen sicher eher für Läufe im urbanen Umfeld mit öffentlichen Lichtquellen oder bei Vollmond ohne Wolkenbehang.  

Laut Anleitung soll der Peakwert von 700 Lumen dauerhaft schaltbar sein und in etwa 2 Stunden diese Leistung bringen. Auch hier, wie schon bei der Nao RL, habe ich das mit einer Lichtmessungs-App geprüft und auch hier wurde der Peakmodus nach etwa einer Minute Dauerbetrieb abgedimmt und sinkt innerhalb von 20 Minuten auf einen konstanten Dauerwert, der aber eben nicht mehr die gleiche Lichtfülle bietet wie der gewählte Maxwert. Der verbleibende Lichtwert reicht für das Trailrunning aus und lässt sich natürlich auch wieder hochschalten, dann empfiehlt sich aber eher die Nutzung des Reactive Lighting.

Luxmessung der Petzl Swift RL auf der Zeitachse bis 25 Minuten (Ausgangswert 700 Lumen)

Luxmessung der Petzl Swift RL auf der Zeitachse bis 25 Minuten (Ausgangswert 700 Lumen)

 

Der Leuchtkegel

Der ausgeleuchtete Bereich der Swift RL ist etwas raumgreifender als bei der Nao RL, dafür etwas weniger hell und weit. Der Nahbereich ist extrem gut ausgeleuchtet. Kurzum: im oberen Standard Lighting Bereich mit 700 Lumen entsteht ein hervorragendes Lichtbild. Allerdings wissen wir bereits, dass dieser Bereich nicht konstant gehalten wird, sondern langsam dimmt. Der 160 Lumenbereich der Stufe darunter ist für das Trailrunning ohne Umgebungslicht eher nicht nutzbar.

Im Reactive Lighting leuchtet die Swift RL irgendwo in einem Bereich zwischen diesen beiden Werten und liefert damit ein sehr gutes Lichtbild, auch für Trailrunning im Gebirge. Es empfiehlt sich also diesen Modus zu nutzen.

Petzl Swift RL im Standard Lighting Max Mode (700 Lumen)

Petzl Swift RL im Standard Lighting Max Mode (700 Lumen)

 

Akku der Petzl Swift RL

Der Wechselakku der Swift RL kommt mit 2350 mAh daher und basiert vermutlich auf drei kombinierten AAA-Zellen im Gehäuse. Rein technisch ginge auch hier mehr Leistung, dafür erhitzt sich das System aber auch kaum. Der Akku wird wie erwähnt in die Rückseite des Leuchtkörpers eingeklickt und kann, nachdem man das Prozedere ein Dutzend Mal wiederholt hat, dann auch ohne Werkzeug entnommen werden. Externes Laden ist möglich. Als Ergänzung oder Ersatz kostet der E092DB00 stolze 50 Euro, während der Straßenpreis eher bei knapp über 40 Euro liegt.

Zur Wärmeentwicklung: Akku und Lichteinheit sind nur seitlich verbunden. Dazwischen liegt ein sehr effektiver Kühlkörper aus Metall und ein Belüftungsschlitz. Diese Konstruktion verhindert sehr effektiv, dass Wärme vom Akku oder der Lichteinheit die jeweils andere Komponente beeinflusst. Das funktioniert sehr gut, die Lampe wird dabei maximal warm, aber niemals heiß – wie ich das bei anderen Leuchten schon gesehen habe.

Nachladen des Akkus

Dank eigener Ladebuchse lässt er sich extern laden. Allerdings sind die Ladezeiten mit bis zu 5 Stunden erheblich (Werksangabe, schwache Ladeteile brauchen noch länger). Eine an der Ladebuchse verbaute Rot/Grün-LED gibt Aufschluss über den Status des vollgeladenen Akkus. Nicht vollgeladen wird als Rot angezeigt. Der genaue Ladestatus lässt sich nur per Segmentanzeige an der Leuchte erkennen, sofern eingebaut.

Hier die Aufschlüsselung des Ladezustands per LED-Segmente:

  • Fünf Lichter an: 100 % – 80 %
  • Vier Lichter an: 80% – 60%
  • Drei Lichter an: 60% – 40%
  • Zwei Lichter an: 40% – 20%
  • Ein Licht an: 20 % – 1 %

Ist das Reactive Lighting oder der aktive Lichtmodus mit der verbleibenden Akkukapazität nicht mehr dauerhaft aufrechtzuerhalten, schaltet das System in den Reservemodus um. Fünf Minuten vor dieser Umschaltung wird dies durch das Blinken des Hauptlichts angekündigt. Beim Umschalten in den Reservemodus mit 10 Lumen blinkt das Hauptlicht erneut. Dieser Modus eignet sich nicht für Trailrunning, wohl aber für das Wandern.

 

Rotlicht

Mittels 4-Sekunden-Druck aus einem laufenden Lichtprogramm gelangt man in den Dauer-Rotlicht Betrieb. Ist die Leuchte ausgeschaltet und es wird vier Sekunden gedrückt, wird der Blinklicht-Modus in Rot aktiviert.

Wofür braucht man Rotlicht? Es ist viel angenehmer mit Rotlicht in der Dunkelheit Karten oder Beschriftungen zu lesen, da der Blendfaktor fast vollständig wegfällt. Läufer von Etappenrennen wissen diesen Modus besonders zu schätzen. Denn wer mag schon um vier Uhr morgens vor einem anstrengenden Tag von Mitläufern durch grelles Weißlicht genervt werden?  Mit Rotlicht lässt es sich auch wunderbar im Rucksack kramen. 

Also ein wunderbares Feature, welches eigentlich in jede Stirnlampe für Trailrunner gehört, aber eher selten zu finden ist! 

Petzl Swift RL Rotlichtmodus

Petzl Swift RL Rotlichtmodus

 

Praxistest und Test-Fazit der Petzl Swift RL

Die Lampe wurde über die Wintermonate sehr oft im Trailrunning eingesetzt. Darunter zahlreiche Trainingsläufe im stockdunklen Wald, bei Nebel, Schneefall, Regen und bei Temperaturen von bis zu Minus 10 Grad Celsius. Parallel dazu nutze ich auch die Petzl Swift RL und andere Leuchten im direkten Vergleich. Es wurde sowohl der Standard Lighting Mode als auch das sensorgesteuerte Reactive Lighting benutzt.

Die Swift RL lässt sich sehr schnell und gut an den Kopf anpassen, ob mit oder ohne Mütze und sitzt sehr gut. Da das Gewicht von knapp 100 Gramm aus Leuchtkörper und Akku an der Stirn sitzt, neigt sie (wie im Übrigen alle Stirnlampen dieser Bauform) zu einem leichten Wippen an der Stirn. Dieses ist etwas mehr ausgeprägt als zum Beispiel bei der Nao RL (Akku am Hinterkopf),  aber weniger als bei der Fenix HM65R mit Stabakku an der Stirn. Die Bewegung ist vollkommen in Ordnung und stört nicht. Das komplette System sitzt außerordentlich gut am Kopf.

Der zunächst etwas unangenehm aufgefallene Akkuwechsel ohne Werkzeug hat sich nach einigen Episoden in Wohlgefallen aufgelöst, sobald die Arretierung etwas loser wurde. 

Mit der Bedienung kommt man schnell klar, wenn man sdas System einmal verstanden hat. Kompliziert ist es nun wirklich nicht, aber man benötigt einmal die Anleitung.

Die Ausleuchtung der Swift RL ist gut und das gilt gleichermaßen für den Reactive Lighting Mode wie auch für den Max Mode im Standard Lighting. Wie auch schon bei der Nao RL angemerkt, ist das Reactive Lighting viel mehr als ein nettes Gimmick – es ist der empfehlenswerte Modus um effektiv Energie zu sparen, sich die Fummelei am Modus-Taster zu sparen und trotzdem mit dem Lichtergebnis zufrieden zu sein. Möglicherweise ist das auch der Grund, warum Petzl auf Akkus mit höherer Kapazität verzichtet – die zweifelsfrei am Markt verfügbar wären. Für das Gros der Trailrunner reichen die Akkus einfach aus. Wer Ultratrail durch die Nacht läuft, muss sich um Ersatzakkus kümmern.

Preislich liegt die Swift RL aktuell (Stand 29. April 2024) bei etwa 65 Euro Straßenpreis. Das ist ein heftiger Rabatt und katapultiert die Leuchte weit nach oben vieler Wishlists. Meine uneingeschränkte Empfehlung für die Petzl Swift RL.

 

Pro/Contra

  • PRO Leicht am Kopf
  • PRO sehr gute Passform am Kopf / einstellbar / kein Druckgefühl
  • PRO wechselbarer Akku
  • PRO Reactive Lighting funktioniert gut, nur bei schnellen Schwenks langsam
  • PRO Sehr gutes Lichtbild für das Trailrunning
  • PRO Systempreis ist ein sehr gutes Angebot für diese Leuchte
  • CONTRA Peakmode von 1100 Lumen nur im Reactive Lighting möglich
  • CONTRA Peakmode 700 Lumen im Constant Lighting dimmt
  • CONTRA Preis des Wechselakkus hoch

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