Test | Topo MT-5 Trailrunning-Hybride

Mit dem Hybriden auf Trail und Straße

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Die Topo MT-Serie ist das Bindeglied zwischen Road- und Trailrunning. Zugehörig zur Trailserie soll der Topo MT-5 da performen, wo klassische Trailschuhe mit weichen Sohlen schnell Profil abbauen: nämlich auf den Zuwegen zum Trail im eher urbanen Umfeld auf Asphalt. Verwunderlich, dass es gar nicht so viel Hybride gibt, denn das ist bei vielen Läufern eher die Regel als den Ausnahme.

Was ist ein Hybrid-Trailschuh?

MT steht nicht für Mountain, wie viele annehmen, sondern für Multi Terrain und das ist hier Programm. Der MT-5 tanzt auf mehreren Hochzeiten, ist aber trotzdem mit der typischen Topo-DNA und Trailrunning-Fähigkeiten ausgestattet.

Door2Trail ist das Schlagwort. Kaum ein Läufer hat den Trail direkt vor der Haustür. Meist geht es auf Asphalt zum Trail und hier treffen weiche Trailsohlen auf die harte Realität: Asphalt wirkt auf weiche Gummimischungen mit viel Grip wie eine Raspel und arbeitet die Sohle viel schneller ab als auf Naturböden. Lösung sind Hybrid-Trailschuhe mit einer ausgewogenen Gummimischung wie der Topo MT-5, die beide Welten bedienen und trotzdem genug Grip auf dem Trail bieten. Quasi der Ganzjahresreifen im Schuhbereich.

Während die ersten vier Generationen des MT mit 3mm Sprengung ausgestattet waren und auf eine Eigenentwicklung bei der Laufsohle setzten, steht der MT-5 (Release Februar 2024) auf einem 28/23mm-Aufbau der neuesten ZipFoam-Dämpfungsgeneration – also 5mm Sprengung. Das macht den Einstieg für Läufer die hohe Sprengungen gewohnt sind und eher zur großen Gruppe der Fersenläufer gehören, recht einfach. Steile Berge werden eher über den Vorfuß erlaufen, hier kommt Topos Natural Running Philosophie besonders zum Tragen – dazu später mehr.

Die neue Laufsohle des MT-5 kommt von Vibram, wie auch beim Vorgänger MT-4 handelt es sich dabei um die multidirektionale Vibram© XS Trek Evo mit einem sehr offenen und selbstreinigendem Profil. Topo verzichtet dabei auf ein hohes Profil wie es inzwischen bei den meisten Herstellern üblich ist. Für tiefe Böden und Schnee gibt es spezialisierte Schuhe mit dem einen oder anderen Millimeter mehr. Dafür überzeugt die XS trek Evo mit hervorragendem Grip bei Nässe. Die Bodenhaftung ist tatsächlich exzellent.

 

Wie wasserdicht ist „nicht wasserdicht“ eigentlich?

Der Topo MT-5 verfügt über ein interessantes 3D-Mesh, das an ein dichtgewobenen Maschendrahtzaun erinnert. Das ist neu und gab es bisher bei Topo nicht. Eine Membran von eVent© wie der wasserdichte Terraventure 4 WP ist auch nicht integriert. Die Frage war also, wieviel Regen kann so ein Schuh ab ohne das man nasse Füße bekommt?

Ich habe den Schuh auf einer 15K-Runde im Heidelberger Stadtwald und der Karlslust sowie dem Rückweg durch die Altstadt und entlang des Neckar im Regen gelaufen. Dieser erste Testlauf war verblüffend, denn das Warten auf nasse Füße konnte ich ergebnislos beenden. Leichter bis mittelschwerer Regen perlt von der Mesh-Struktur einfach ab wie auf Drainagerinnen. Meist kommt jetzt die Rückfrage, wie gut ist der Schuh auf nassen Wiesen? Auch das kann ich beantworten, denn die Königsdisziplin „Nasse Wiese“ beherrschen tatsächlich nur wasserdichte Schuhe mit Membran – und auch nicht alle. Nasse Wiesen sind der Killer einer wasserableitenden Struktur, auch beim MT-5. Wer das sucht, greift zum Terraventure 4 WP.

Der zweite Testrun fand im Rahmen meines 50K-Ammersee Ultra statt. Kein Regen, aber jede Menge nasse Wiesen, matschige und überflutete Trails. Satte fünf Mal stand ich im Wasser und hatte einen Wassereinbruch durch das Mesh, klare Sache wie bei jedem anderen Schuh ohne Membran auch zu erwarten ist. Nasse Füßen auf den ersten 20K beunruhigen, wenn noch 30K folgen, denn nasse Füße neigen besonders schnell zur Blasenbildung. Blasen sind bei Topo-Laufschuhen so gut wie kein Thema, ein Punkt der diese Marke dank der großen Zehenfreiheit und komfortablen Fersenbox ganz besonders auszeichnet. So auch hier und offensichtlich verbessert durch ein neues, nun gelochtes Basement unter dem Ortholite©-Einleger. Schon nach zwei Minuten ist das Nässegefühl fast komplett verschwunden, das eingedrungene Wasser vom Fuß nach unten abgeleitet, das wenig wasserspeichernde Mesh trocknet sehr schnell.

 

Wasserableitende Innenstruktur unter der Innensohle

Schwachpunkt ist hier nur noch die Socke, die möglichst schnell trocknen sollte. Ich habe beim Ammersee-Ultra eine X-Socks© Helix Retina getragen. Eine lange Socke mit Wadenkompression, die recht schnell trocknet und kaum Reibung aufweist. Ergebnis nach 50K: keinerlei Probleme, null Blasen, Schuh und Socken nahezu trocken. Sehr beeindruckend!
Dieses Drainager-System von Topo ist übrigens bei vielen Schuhen der Amerikaner integriert und der eigentliche Grund dafür, dass es nur einen Trailschuh mit wasserdichter Membran von eVent© gibt.: den Terraventure 4 WP. Man sieht den Bedarf angesichts dieser zügigen Entwässerung nicht und möchte dafür die Atmungsaktivität nicht einschränken, die Membranen mit sich bringen. Bei eVent© ist das im Übrigen wirklich kein echtes Problem.

Die an der Ferse integrierten Laschen für den Performance Gaiter von Topo helfen bei Matsch, Staub und Schnee übrigens sehr effektiv gegen ungewünschtes Eindringen über die Schnürung und den Einstieg und sind in 60 Sekunden montiert.

Topo MT-5 - Unter dem Ortholite©-Einleger befindet sich die Entwässerung

Unter dem Ortholite©-Einleger  des MT-5 befindet sich das Drainage-System

Die Dämpfung des Topo MT-5

Plus 3mm Dämpfung bietet der MT-5 gegenüber dem MT-4 und steigt damit von 25/22 auf 28/23 (der Wechsel von 3 auf 5mm Drop sind hier berücksichtigt). Das Plus steht im gut und macht ihn tauglicher auf der Langstrecke sowie ein wesentliches Stück komfortabler – auf eh hohem Niveau. Basis ist die vierte ZipFoam©-Generation mit einer Mischung aus EVA- und TPU-Einsätzen, die unterschiedliche Härtegrade aufweisen. Vorteil dieses Systems ist eine sehr lange Haltbarkeit gegenüber reinen EVA-Zwischensohlen, die schneller ermüden und an Dämpfung verlieren.

Auch der MT-5 folgt dem Topo-Prinzip mit breiter Zehenbox, führendem Leisten, geringem Drop und Gewicht. Dies ermöglicht ein besonders komfortables Laufen über den Vorfuß oder Mittelfuß, was im Anstieg auch bei Fersenläufern zum Tragen kommt. In der Ebene profitieren Fersenläufer vom Dämpfungsplus und dem leichten Toe-Rocker, der das Abrollen über den Vorfuß erleichtert.

 

Testfazit zum Topo MT-5 Trail-Hybriden

Der 270g leichte (Men US9, Women 220g US7) Topo MT-5 ist eine absolut gelungene Komposition für das Door2Trail-Running zwischen Zivilisation und Natur. Angesichts seiner Stärken ist verwunderlich, warum so wenige Hersteller auf Hybride setzen. Die Technik ist da und auch auf Bergtrails funktioniert ein MT-5 sehr gut und vor allem sicher.

Dass die Topo-DNA mit all ihren Facetten für das besonders komfortable Laufen sich auch im MT-5 wiederfindet, war zu erwarten. Schönes Ding.

Hinweis: Der Autor war zum Release-Zeitpunkt des Artikels Teil des deutschen Topo Athletic Teams.

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