Auf den Spuren des Kullamannen

Trailrunning am Kullaberg / Mölle (SWE)

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Kullamannen – inzwischen Teil des UTMB-Imperiums und somit gar nicht unbedingt in meinem primären Fokus. Aber dieses Rennen hat seinen ganz eigenen Nimbus und ist dem Kommerz noch nicht vollends geopfert worden. Mit dem Start am ersten November-Wochenende fällt der Kullamannen schon komplett aus dem üblichen Rahmen. Wenn man eh schon in der Gegend ist, lohnt ein Blick auf den Kern des Rennens – den Kullaberg bei Mölle.

Seit Jahren schauen wir die YT-Filme von Marcus Kjellberg, der herrlich unterhaltsam läuft, filmt und schneidet. Danke für vielen Stunden bester Unterhaltung, Marcus! Inzwischen ist der Schwede Träger des bisher einzigen Diamantrings des Kullamannen, den es für 5 erfolgreiche Finishes der 100M-Strecke gibt. Der bisherige „Golden Boy“ (3 Finishes für den Golden Ring) läuft nun in eigener Liga.
 
Die 100M führen mehrfach über den Kullaberg bei Mölle, einem kleinen Fischernest an der schwedischen Westküste, dem Kattegat.  Wer die Serie „Vikings“ gesehen hat, weiß nun wovon ich spreche: Wikinger haben hier Geschichte geschrieben und darauf baut auch das Storytelling des Kullamannen auf. Also auf ins Auto und früh morgens einmal quer durch die südschwedische Provinz Skåne an die Westküste. Nach 2.5 Stunden stehen wir im Hafen von Mölle und sind begeistert, weil es so ganz anders ist als an „unserem Ostseestrand“. Hier ist das Klima rauher, Strand gibt’s keinen, dafür Klippen und Fischerei – es riecht nach Abenteuer. Plan: Ich laufe eine 10K Runde ab Mölle-Hafen über den Kullaberg zum Leuchtturm, Klippen runter zur Lahibiagrottan und daneben wieder hoch und zurück zum Hafen. Der Rest der Familie fährt mit dem Auto hoch zum Leuchtturm und wir schauen mal, wie sich der Rest fügt. GoPro dabei, heute wird gefilmt.
 
 

Auf den Spuren des Kullamannen – der Kullaberg

Es ist aufregend den Hafen entlang hinüber zum Einstieg in den Kullaberg zu laufen. Während das 100M-Rennen gleich mehrfach über den Kullaberg verläuft, streifen die 100K-Läufer nur den Südrand des Kullabergs und nehmen weder Leuchtturm noch Klippen mit. Schade, ist aber so. Während ich so die ersten ziemlich matschigen Trailabschnitte hinauf nehme, laufen im Kopf die vielen Filme ab, die wir bereits gesehen haben. Es ist aber schwer diese den einzelnen Abschnitten zuzuordnen, da der Rennstart für 100K und 100M jeweils im Dunkeln stattfinden, wie auch ein Großteil des Rennens. Nicht wenige Läufer erleben die Strecke auch ein zweites Mal im Dunkeln.
 
Bis zum Leuchtturm gibt es Waldtrails, matschig, sehr rutschig, aber nicht eng. Ein paar Mal mit spektakulärem Blick über das Kattegat in Richtung Dänemark. Wie so oft, dürfen verblockte Abschnitte mit jeder Menge Steinen nicht fehlen. In der Dunkelheit eine echte Herausforderung.
 
Irgendwann erreicht man den Leuchtturm am Parkplatz, touristisch übrigens gut erschlossen und frequentiert. Von hier soll es die Klippen hinunter ans (ins) Wasser gehen, wo auch die Lahibiagrottan zu finden ist. Es gibt links vom Leuchtturm einen Weg, der aber nicht bis ans Wasser führt. Der richtige Trail verläuft vor den Stufen zur Leuchtturmanhöhe vorbei am Kiosk in Richtung Mölle und knickt dann rechts durchs Gebüsch ab. Die Lahibiagrottan ist ausgeschildert. Nach kurzer Zeit erreicht man das berühmt, berüchtigte Seil bis hinunter in die Brandung. Es empfiehlt sich das Seil zu benutzen! Hier wurde es richtig rutschig und auch steil, eine unglückliche Kombination.
 
 

Lahibiagrottan und die Klippen

Unten angekommen, kann man sich die Grotte links vom Meer ansehen oder auch nicht. Spektakulär ist sie nicht, Höhle halt. Keine Tropfsteine, keine Schätze, keine Wikingerhinterlassenschaften oder sonstwas. So, dafür steht man nun auf den Klippen am Rand des Kattegats, freut sich über die wilde Brandung und Natur und stellt sich die Frage, wo es denn nun eigentlich weitergeht. Der Trail endet hier. Laut GPX-Kurs geht es links weiter, aber da geht es ins Meer bzw. über die Steine darin.  Ist aber richtig, man muss 20m von Stein zu Stein klettern und kommt so zurück auf einen Trail, der wiederum hinauf geht. Es darf geklettert werden und zwar gar nicht mal so simpel. Ist man oben, balanciert man die Klippen entlang und wird mit grandiosen Ausblicken übers Meer belohnt. Für Menschen mit Höhenangst vielleicht nicht optimal.
 

Zerrung ausgeheilt, Zeit für eine neue Verletzung

Ganz oben geht’s dann durch mehrere Gatter wieder Richtung Hafen durch Wiese und Wald, schön flowig und entspannt. Zeit, sich wieder mal gepflegt auf die Fresse zu legen. Natürlich da, wo man sich später fragt „Wie?“. Ich vermute eine tektonische Verwerfung in der Sekunde, in der ich den Fuß nicht ausreichend hob. So muss es gewesen sein!
 
Ergebnis: Ordentlich hingescheppert, nette Prellung am linken Oberschenkel. Ich neige ja nicht zu blauen Flecken, andere hätten jetzt ganz sicher die komplette Farbpalette am Bein – mir blieb eine ansehnliche Schwellung und Aua. Ein paar Schrammen am Bein, rechte Hand aufgeschürft, Technik ok. Die restlichen 4K zum Hafen waren eher unschön mit gedrosseltem Tempo, aber immerhin habe ich es laufend geschafft.
 
Im Hafen von Mölle gibts übrigens ein paar nette Restaurants, Ausflugsboote und gute Parkmöglichkeiten.
Wir haben uns entschieden nach dem Essen noch Höganäs zu besuchen, dem Startort des Kullamannen auf den 100K und 100M-Strecken. Der Weg dahin führt immer am Wasser entlang Richtung Süden und ist Teil der Rennstrecke. Das Ziel der beiden Strecken liegt aber weit nördlicher von Mölle in Båstad, einem weiteren, netten Dorf am Kattegat.
 
Nach diesem Ausflug steht fest, der Kullamannen kann nicht weiter eine fixe Idee bleiben, 2024 soll es die 100K-Strecke werden und wir schauen mal, wer zu diesem Abenteuer mitkommen mag. Die Auswahl dafür ist begrenzt. Immerhin gibt es im Sommerurlaub 2024 noch einmal die Möglichkeit den Rest der Strecke zu besichtigen.

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